Zitat:

Es setzt sich nur so viel Wahrheit durch, als wir durchsetzen; der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der Vernünftigen sein. - Bertold Brecht, „Leben des Galilei“

Zitat:

Bedrohlich ist das Volk für die Herrschenden, wenn es ohne Furcht ist.“ -Tacitus (römischer Historiker)

Zitat:

Die Furcht vor Übervölkerung tritt stets in Perioden auf, in denen der bestehende Sozialzustand im Zerfall begriffen ist. August Bebel

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Es gibt keinen Weg ohne Schaden zwischen Skylla und Charybdis hindurch!

Interessanter Beitrag zu antikapitalistischer Organisiertheit, welcher durchaus berechtigten Widerspruch erntet.
Im Beitrag wird historisch aufgearbeitet, ohne jedoch z. B. die konkrethistorischen Bedingungen in Russland nach der Oktoberrevolution entsprechend zu berücksichtigen, wird sich auf die Suche nach neuen antikapitalistischen Organisationsformen begeben. Die Einschätzungen zum demokratischen Zentralismus, von seinem ursprünglichen Anliegen, zur praktischen Umsetzung nach der russischen Revolution, sind meines Erachtens treffend. Allein die Ursachen einer solchen Entwicklung werden negiert. Nun möchte ich hier nicht Ereignisse während der russischen Revolution, sowie des folgenden Bürgerkrieges und der Interventionskriege gegen den jungen Sowjetstaat, beurteilen, aber ich kann sie auch nicht verurteilen, ohne die konkret historischen Bedingungen in betracht zu ziehen. Es ist immer einfach vom heutigen Standpunkt, auf Grund unserer heutigen Erkenntnisse, zu Urteil! Um aber einer Beurteilung der Situation vor fast 100 Jahren in Russland gerecht zu werden, gilt es damalige Umstände, insbesondere die Produktivkraftentwicklung in Russland zu berücksichtigen. Gerade die Beitrag beschriebenen Entwicklungen hatten konkrete Ursachen, sie kam nicht von irgendwoher, sondern war Menschenwerk und der Akteure waren viele. In Russland wurde eine sozialistische Revolution durchgeführt, obwohl entscheidende Vorraussetzungen eigentlich fehlten, oder maximal in Ansätzen vorhanden waren. Kapitalistische Produktionsverhältnisse gab es in Russland gerade einmal im Ansatz, der überwiegende Teil des Landes wurde damals noch von feudalen Verhältnissen geprägt. Somit war auch die Klasse, welche entschiedener Träger einer sozialistischen Revolution ist, nur im geringen Maß vorhanden. Und letztlich führten auch die Kriege dazu, dass die Arbeiterklasse weiter dezimiert wurde, erst im ersten Weltkrieg, anschließend in den Interventions- und Bürgerkriegen. Proletarisch, demokratische Institutionen waren mit den verbliebenen Proletariern kaum möglich und die Bauern, welche aus ihrer Leibeigenschaft befreit wurden, waren noch weit entfernt revolutionäres Subjekt im Sinne einer proletarischen Revolution zu sein. 
Etwas anders verhält es sich mit der fortschreitenden Entwicklung, die geschaffenen Strukturen, welche in erster Linie dem Erhalt der Macht dienten, wurden beibehalten, obwohl mit fortschreitender Entwicklung Veränderungen möglich gewesen wäre, ohne das angestrebte System des Sozialismus in Frage zu stellen. Das es also zu Beginne der Revolution zu den beschriebenen Ereignissen gekommen ist, hatte konkret historische Ursachen und gerade auch die zahlenmäßig geringe Arbeiterklasse war nicht in der Lage eine Revolution allein zum Sieg zu führen, genauso wenig wie sie in der Lage war, späteren Entwicklungen Einhalt zu gebieten. So kam es auch im Falle der Oktoberrevolution dazu, das die Revolution ihre Kinder gefressen hat, nicht neu in der Geschichte, aber für eine sozialistische Revolution scheint dieses die Vorstellungswelt manchen Zeitgenossen zu überfordern. Wenn dann noch die Forderung aufgemacht wird, dass sich die Revolution nicht hätte verteidigen dürfen, ist das revolutionäre Traumtänzereiland erreicht, auf welchen es im Schmusekurs in eine neue, bessere Gesellschaftsordnung geht. Nur was wäre wenn, was wäre wenn die Revolution sich nicht verteidigt und alle in der Zeit durchaus üblichen Mittel der Auseinandersetzung eingesetzt hätte? Hätten die Feinde innegehalten, den Bürgerkrieg und die Intervention beendet? Oder wäre es den Revolutionären ergangen wie den Pariser Kommunarden 1871, welche im Blutrausch der Sieger tausendfach dahingeschlachtet wurden?
Wie schon geschrieben, es ist nicht unbedingt hilfreich, vergangene Zeit, vergangene Entwicklungen mit heutigem Wissen, auf Basis gegenwärtiger Erkenntnisse zu verurteilen. Wenn sich dann noch der Illusion hingegeben wird, dass revolutionäre Veränderungen ohne Widerstand zu haben wären, wird sich nicht nur auf den Holzweg begeben, sondern selbst noch an diesen gesägt.    
Dem Beitrag wurde eine Überschrift gegeben, ein Gleichnis aus der Antike, jedoch ohne dieses verstanden zu haben. Aus diesem Grund habe ich zum Beitrag folgenden Kommentar hinterlassen:
Es gibt keinen Weg ohne Schaden zwischen Skylla und Charybdis hindurch!
Nun ging es auch in der Antike nicht ohne Grund ohne Schaden zwischen Skylla und Charybdis hindurch. Odysseus musste Besatzungsmitglieder opfern, um das Schiff und den Rest der Besatzung zu retten! Es gab nur die Möglichkeiten einem Ereignis durch die Annährung an das andere auszuweichen und so entschied Odysseus sich vom Strudel zu entfernen, welcher das ganze Schiff samt Besatzung verschlungen hätte. Dabei war er sich durchaus der Tatsache bewusst, dass einige seiner Mitstreiter sterben müssten. 
Nun ja, selbst Gleichnisse sind mit Versicht zu genießen, wobei dieses Gleichnis durchaus treffend ist, gerade für die Anfänge sozialistischen Seins in Russland!
Nachsatz: Es ist durchaus wichtig einheitliche Organisiertheit zu erreichen, aber auch Bündnisse verschiedenster Art sollten nicht vergessen werden.
Noch einmal zur Oktoberrevolution: In Russland war es gelungen eine sozialistische Revolution erfolgreich zu beginnen und über lange Jahre zu behaupten. Welche Bedeutung diese Revolution für die Menschen weltweit hatte, wird besonders in der Gegenwart sichtbar, in einer Zeit, in welcher es die Sowjetunion und das sozialistische Lage nicht mehr gibt. Krisen verschärfen sich in bisher ungekanntem Maß, Kriege werden unverholen geführt, sowie die sozialen Errungenschaften in den Hauptländern des Kapitals weitestgehend ungehindert abgebaut. Die Sowjetunion hatte die Hauptlast am zweiten Weltkrieg getragen und war in Folge bis zu ihrem Untergang der Hauptgarant für den Frieden in der Welt.
Und wie schon geschrieben, heute sind Kriege an der Tagesordnung, immer mehr Völker werden mit Krieg und Elend überzogen und es gibt keine Kraft, welche sich den imperialen Bestrebungen konsequent und erfolgreich entgegenstellt. Nun gilt es aus der Geschichte zu lernen, ohne diese aber komplex zu betrachten, wird es keine zukunfttauglichen Schlüsse geben. Sich in diesem Zusammenhang zu fragen, warum es bestimmten Kräften notwendiger denn je scheint, den Sozialismus Jahre nach seinem Untergang in Europa immer noch zu verunglimpfen, sollte nicht versäumt werden. Die Antwort darauf finden wir übrigens in der Gegenwart.

Sonntag, 11. Dezember 2011

Glaube:

Glaube: 1. umgangssprachlich eine geistige Haltung, die ein berechtigtes Erwarten, Hoffen oder Vermuten von Tatbeständen oder Ereignissen bzw. das Vertrauen zu anderen Menschen zum Ausdruck bringt; 2. als religiöser Glaube eine idealistische, im Gegensatz zum Wissen stehende unbedingte Zustimmung zu angeblich unbezweifelbaren, durch Gott (Jahve, Allah, Buddha) geoffenbarte Glaubenswahrheiten. Zugleich ist Glaube eine Verhaltensweise, die uneingeschränktes Vertrauen in die Erfüllung der religiösen Erwartung setzt. Dem religiösen Glauben liegt die Auffassung von der Existenz Gottes (bzw. mehrerer Götter) und seiner Offenbarung bzw. von der Existenz und Wirkung übernatürlicher Kräfte und Mächte zugrunde. Seinem Wesen nach ist der Glaube stets subjektives, illusionäres Fürwahrhalten.