Zitat:

Es setzt sich nur so viel Wahrheit durch, als wir durchsetzen; der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der Vernünftigen sein. - Bertold Brecht, „Leben des Galilei“

Zitat:

Bedrohlich ist das Volk für die Herrschenden, wenn es ohne Furcht ist.“ -Tacitus (römischer Historiker)

Zitat:

Die Furcht vor Übervölkerung tritt stets in Perioden auf, in denen der bestehende Sozialzustand im Zerfall begriffen ist. August Bebel

Dienstag, 28. Mai 2013

Nun wurde auf der Seite des Dachvereins, ...

Nun wurde auf der Seite des Dachvereins, nach dem der gekündigte Kneiper es vermochte sein Anliegen zum Thema einer Stadtratsitzung zu machen, folgende Stellungnahme veröffentlicht:

Als erstes: In der Reichenstrasse gab es schon immer eine Kneipe. War es zu DDR-Zeiten ein Jugendclub, in den 90er Jahren eine städtische Einrichtung oder heute ein von einem Verein betriebenes Jugendkulturzentrum, immer war die Kneipe zentraler und wichtiger Anlaufpunkt. Daran wird sich ab 01. Juli 2013 auch nichts ändern!
Die Ratsversammlung des Dachvereins Reichenstrasse e.V. hat am 15.01.2013 nach ausführlicher Diskussion beschlossen, den Vertrag über das Betreiben der Gastronomie im Kulturzentrum Reichenstrasse mit Ralph Albrecht fristgemäß zum 30. Juni 2013 zu beenden. Dies ist laut dem Vertrag ohne Angabe von Gründen möglich. Der Vorstand des Dachvereins wurde damit beauftragt, die Kündigung auszusprechen.
In der Ratsversammlung sitzen je zwei stimmberechtigte VertreterInnen der im Haus arbeitenden Vereine sowie zwei VertreterInnen der Stadt Quedlinburg.
Der Vorstand hatte für die Sitzung am 15.01.2013 das Thema Kneipe auf die Tagesordnung gesetzt, um zum wiederholten Mal über aufgelaufene Probleme in der Zusammenarbeit mit dem Betreiber und seinen Verstößen gegen die Hausordnung, sowie den Betreibervertrag zu reden. Es gab in der Vergangenheit etliche vom Verein ausgehende Klärungsversuche. Viele werden sich noch an die große Versammlung im August 2011 erinnern. Geändert hat sich nie etwas. Sei es die Duldung des Rauchens in den offenen Bereichen des KuZ, die Duldung von Gästen, die andere rassistisch beleidigten oder einschlägige Marken wie Thor Steinar tragen aber auch die Reinigung an den Wochenenden.
Wer trotz Einladung nicht erschien, war Ralph Albrecht. Es wäre durchaus möglich gewesen, das Thema Kneipe im Verhinderungsfall von Ralph Albrecht zu vertagen und auf die Tagesordnung der nächste Sitzung zu setzen. Dafür hätte es allerdings auch einer begründeten Absage im Vorfeld der Sitzung bedurft.
Die Kündigung wurde dann am 11. März 2013 persönlich durch den Vorstand übergeben. Ralph Albrecht kommentierte diese Kündigung mit den Worten „Das werdet ihr nicht überleben“. Damit hatte sich eigentlich auch jede sachliche Diskussion in Folge erübrigt. Trotzdem nahm der Vorstand nach Gesprächen mit Herrn Thomas (MdL CDU) und dem Bürgermeister Herrn Dr. Brecht das von Herrn Thomas angeregte moderierte Gespräch mit dem Bürgermeister an. Das Gespräch machte deutlich, dass es von beiden Seiten keine Einigungsmöglichkeiten gibt. Dem Vorschlag des Bürgermeisters (nach ca. einstündiger Diskussion), dass sich die Ratsversammlung nochmals in nichtöffentlicher Sitzung mit dem Thema befasst, wurde seitens des Vorstandes zugestimmt. Diese nichtöffentliche Sitzung fand am 24. April unter Anwesendheit von 8 stimmberechtigten Mitgliedern, sowie als beratende Mitglieder der Vorsitzende des Kultur-, Tourismus- und Sozialausschusses und einem Vertreter der Stadtverwaltung Quedlinburg, statt. Seitens des Geschäftsführers wurden zwei Varianten vorgestellt. Zum einen die Aufrechterhaltung der Kündigung, zum anderen die Möglichkeit, den Vertrag mit Ralph Albrecht neu zu verhandeln. Die Kündigung wurde mit 7 Ja- und 1er Nein-Stimme, nach einer ausführlichen Diskussion, bestätigt.
Soviel zum demokratischen Werdegang der Kündigung.
Das Kulturzentrum Reichenstrasse arbeitet seit mehr als 15 Jahren in Quedlinburg. Neben vielfältigsten kulturellen Angeboten sind die Kinder- und Jugendarbeit Schwerpunkt der Arbeit. Und das sind nicht nur der Kinderladen und das Schülercafe. Mehr als 180 Workshops im Bereich des globalen Lernens pro Jahr, Projektwochen zu den Themen Sucht und Sexualität, Organisation des Netzwerkes Schule ohne Rassismus im Harz und viele andere kleinere Projekte werden Jahr für Jahr durch den Verein realisiert.* Und dafür erhält der Verein auch 120.000,00 € pro Jahr von der Stadt Quedlinburg. Das macht rund ein Drittel der jährlichen Ausgaben aus. Verwendet werden diese 120.000,00 € ausschließlich für die 1997 von der Stadt Quedlinburg übernommenen Personalstellen und für Teile der Betriebskosten. Die Mittel für zusätzliche ProjektmitarbeiterInnen, für Honorare oder Material, für einen großen Teil der Betriebskosten und nicht zuletzt für die kulturellen Angebote werden durch den Verein zusätzlich aufgebracht.
Diese Vielzahl an Angeboten ist aber auch nur mit vielen Partnern möglich. Vereine der Region, das Kinder- und Jugendbüro der Stadt Quedlinburg, das Jugendamt des Landkreises Harz, Institutionen der Region und nicht zuletzt viele ehrenamtliche HelferInnen machen diese reichhaltigen Angeboten erst möglich. Und das zeigt auch, dass der Dachverein ein verlässlicher Partner ist, der gemeinsam mit Anderen diese Projekte verwirklicht.
So eine Partnerschaft war mit Ralph Albrecht nicht mehr möglich. Wer sich aufmerksam die seit dem 12. März auf Facebook von Ralph Albrecht verbreiteten Lügen und Halbwahrheiten durchliest, wird sicherlich verstehen, dass eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr denkbar ist. Auch wenn mehr als 700 Unterstützungsunterschriften durch die Bar gesammelt wurden. In persönlichen Gesprächen mit UnterstützerInnen dieser Aktion konnten wir erfahren, dass sie zum Teil von falschen Tatsachen, wie zum Beispiel der Schließung der Kneipe, ausgegangen sind. Ein Titel dieser Kampagne war „Für Toleranz und gegen kulturellen Kahlschlag“. Und genau dafür steht der Dachverein und nicht die Bar. In der Bar werden Getränke verkauft. Das macht sie sicherlich erfolgreich. Für die Jugendarbeit, für kulturelle Angebote im Haus, für die Arbeit gegen Rassismus und Neofaschismus steht aber der Verein.
Die Gastronomie wird in Zukunft in Eigenregie durch den Verein geführt werden. Das Konzept dafür wurde in der Ratsversammlung am 24. April den VertreterInnen der Vereine vorgestellt und von allen für gut befunden. Die Eigenbewirtschaftung soll sicherstellen, mindestens die nun entfallenden Pachtbeiträge und Bewirtschaftungskosten einzuspielen.

Donnerstag, 23. Mai 2013

Quedlinburger Kasperletheater oder Profilierungssucht eines Politikers?

Wie dem auch immer sei, im Wochenspiegel, einem kostenlos verteilten Werbeblättchen, ist unter der Überschrift, „Kündigung ist Stadtratsthema“ zu lesen, dass ein Quedlinburger Stadtrat und Fraktionschef der CDU einen Antrag einbringen möchte. Zitiert wird: „„Der Stadtrat nimmt mit Sorge die Entwicklung im Kulturzentrum Reichenstraße bezüglich der Kündigung des Pächters der gastronomischen Einrichtung „Bar 2.0“ zur Kenntnis und bittet den Dachverein Reichenstrasse e.V. im Kultur- und Sozialausschuss der Stadt über die Gründe der Kündigung zu berichten“, heißt es in der Vorlage.“
Genau genommen ist dieses Anliegen eigentlich lächerlich, ist doch der gekündigte Pächter* schon einmal an den Stadtrat herangetreten, worauf dieser es vermochte ein Gespräch, moderiert durch den Bürgermeister, in Abwesenheit des vermitteln wollenden Stadtrates, zustande zu bringen, in welchem die Kontrahenten ihre Standpunkte darlegten und woraufhin die Ratsversammlung nochmals über die Kündigung beraten hat. Die Kündigung wurde per Beschluss bestätigt.
Das alles scheint dem Stadtrat aber relativ wenig zu interessieren, was sind schon demokratisch gefasste Beschlüsse, wenn sie nicht dem Gutdünken eines Politikapostels entsprechen? Da wird weiter in Frage gestellt, einseitiges Interesse vertreten, ohne den Gesamtzusammenhang zu berücksichtigen. Dass dann noch behauptet wird, dass die Kündigung dem Betreiber aus „heiterem Himmel“ trifft, ist an Naivität kaum zu überbieten, da auch diese Geschichte ein Vorgeschichte hat und die Kündigung durch den Betreiber selbst verschuldet wurde.
Der Beitrag im Wochenspiegel ist an Zynismus kaum zu übertreffen, wird doch der Betrieb der Kneipe durch den jetzigen Pächter als Maß aller Dinge gesehen, insbesondere auch für die vom Verein geleistete „offene und qualifizierte Kinder- und Jugendarbeit“. Dabei hat der gekündigte Pächter mit dieser Arbeit überhaupt nichts zu tun, ganz im Gegenteil, Kulturarbeit beschränkt sich für diesen auf den Verkauf von Getränken, vorrangig alkoholischen und so wurde vor einiger Zeit sogar der nicht gewinnbringende Mittagstisch abgeschafft.
Aber wie schon geschrieben, der Dachverein hatte zur Kündigung schon Stellung bezogen, einmal auch auf betreiben des CDU Stadtrates, welcher nun vermeint erneut das Thema auf die Tagesordnung setzen zu müssen. Geschuldet könnte dieses Ansinnen dem Ausgang des von ihm vermittelten Gespräches sein, doch was dem Pächter an Arbeit im Haus in diesem Zusammenhang unterstellt wird ist schlichtweg erlogen. Wie schon geschrieben, mit der eigentlichen Arbeit im Haus hat er nichts zu tun, ganz im Gegenteil, er hat diese sogar noch erschwert und gegen den Verein gearbeitet, obwohl er von dieser Arbeit durchaus profitiert hat. Auch haben Mitarbeiter des Hauses oft die Hinterlassenschaften so mancher Kneipennacht am nächsten Tag wegräumen müssen, dieses bleibt in der Argumentation der Unterstützer des gekündigten Pächters allerdings genauso unerwähnt, wie die Verstöße des Pächters gegen die Hausordnung und gegen gesetzliche Bestimmungen. Gespräche mit dem Pächter dahingehend waren erfolglos.  
Das die Gegner des Kulturzentrum in diesem Zusammenhang frohlocken, ist zu verstehen, gießt der Pächter doch reichlich Wasser auf ihre Mühlen. Seiner Drohung gegenüber dem Vorstand entsprechend, dass das Kulturzentrum auch untergehen wird, wenn er untergeht, verleit er regelmäßig Nachdruck und stellt damit die Arbeit des Vereins und seiner Hauptberuflichen wie ehrenamtlichen Mitarbeiter in Frage. Letztlich sollte sich ein jeder Unterstützer fragen, wie auf einer solchen Basis zukünftige Zusammenarbeit möglich sein soll und ob es wirklich Sinn macht, dass der Dachverein den gekündigten Pächter weiter subventioniert.
Zwar wird mit 700 Unterschriften argumentiert, was allerdings alles anderes als eine Mehrheit ist, wobei nicht auf das Zustandekommen der Selben verwiesen wird. Die Unterschreibenden, mit welchen ich ins Gespräch gekommen bin, haben Unterschrieben, weil sie nicht wollen das die Kneipe geschlossen wird, was sie auch nicht wird, manche haben sogar gemeint, dass die Existenz des Kulturzentrum mit der Kündigung des Pächters der Kneipe in Frage gestellt wird, was ebenfalls von Seitens des Vereins nicht der Fall ist, aber der Bekundungen des Pächters in seiner Bedeutung für das Haus durchaus zu entnehmen. Fraglich auch, warum gerade die Menschen, welche das Kulturzentrum aufgebaut haben, sich in diesem engagieren, solches anstreben sollten?

Freitag, 17. Mai 2013

wieder mit Eulenspiegel durch Raum und Zeit


Am kommenden Samstag, 18. Mai um 14:00 Uhr und im Rahmen des diesjährigen Quedlinburger Bücherfrühlings, gibt es wieder eine Eulenspiegelführung. Ähnlich wie im letzten Jahr geht es dabei durch Raum und Zeit, es gibt Anekdoten aus dem Leben Eulenspiegels und wissenswertes aus der Geschichte Quedlinburgs. Die Kostümführung wird ca. 2 Stunden dauern und diesmal wird Eulenspiegel kein Barett, sondern eine ihm unterstellt Kopfbedeckung tragen. Wie der König die Krone, so der Narr seine Kappe … und es sei zu bedenken, nur Narren haben Narrenfreiheit, also wohl, dem der ein Narr sein kann!

Mittwoch, 15. Mai 2013

Vertreibung aus dem Paradies

Nun wird um die Kündigung des Kneipers der Kneipe im Kulturzentrum Quedlinburg orakelt und gestritten, der Kneiper versammelte seine Getreuen und auch jene, welche ohnehin etwas gegen das Kulturzentrum haben. Dazu gehört auch der Betreiber einer Seite im Netz, welcher sich diese Möglichkeit nicht entgehen lässt, um seinen Frust dem Kulturzentrum gegenüber im Stiele der B-Zeitung freien Lauf zu lassen. Bild dir eine Meinung und da die Meinung ja frei ist, kann diese durchaus auch Lüge sein.
Und gerade was auf diesen Seiten über das Kulturzentrum, den Dachverein und dessen Arbeit zu lesen ist, verrät das dort ein Blinder versucht über die Farbe zu fabulieren, letztlich aber nicht einmal ein schwarz-weiß Schema zustande bekommt. Dass in diesem Zusammenhang dem gekündigten Wirt einiges an Arbeit unterstellt wird, für welche der Verein im Kulturzentrum eigentlich verantwortlich zeichnet, muss da auch nicht verwundern. So hat der Pächter der Kneipe z.B. genauso wenig mit dem Schülerkaffee am Nachmittag, wie mit dem Kino, oder anderen Veranstaltungen, welche im Hause regelmäßig stattfinden, zu tun, es sei denn, dass die Gäste diverser Veranstaltungen sich bei ihm mit Getränken versorgen. Für die Veranstaltungen selbst ist er nicht verantwortlich, ganz im Gegenteil, in seinem Verantwortungsbereich finden immer weniger Veranstaltungen statt. Nach und nach beschränkte er sein Tätigkeitsfeld auf gewinnbringenden Geschäftsbetrieb. So wurde der Mittagstisch eingestellt und abends finden nur noch sehr selten Veranstaltungen in der Kneipe statt. Auch dieses rechtfertigt auf Dauer nicht mehr die Subventionierung des Pächters durch den Verein. Wenn nun manch einer, in der sehr emotional geführten Auseinandersetzung, orakelt, dass im Hintergrund ökonomische Interessen eine Rolle spielen, so zeugt dieses durchaus von einem ausgeprägten Realismus, mit welchem in einer Zeit gepredigter Idealismen leider all zu sparsam umgegangen wird. Übrigens trifft dieses für beide Seiten zu, denn es ist eine Illusion, dass der gekündigte Pächter seinen Kampf auf Grund ideeller Vorsätze im Interesse seiner Gäste führt. Eher ist es so, dass die Kündigung einer Vertreibung aus dem Paradies gleicht, denn die Bedingungen, welche der Pächter vom Verein geboten bekommen hat, sind für gastronomische Unternehmungen geradezu ideal. Jeder der einmal einen gastronomischen Betrieb geführt hat und noch führt, kann dieses sicher bestätigen. So beläuft sich die Pacht auf 550,-€ im Monat und das inklusive Wasser, Strom, Gas, Heizung etc. Dazu kommt noch, dass der Pächter von den Veranstaltungen profitiert und bis vor kurzem Mitarbeiter und Ehrenamtliche des Vereins sogar noch für den Pächter Getränke bei Veranstaltungen im Saal verkauften. Auch die Kinobesucher und andere Gäste des Hauses greifen auf das Angebot der Kneipe zurück. Da nun der gekündigte Pächter aber seine Leistungen immer mehr zurückgefahren hat, besteht von Seitens des Vereins keine Notwendigkeit mehr diesen zu subventionieren. Letztlich führte die Strategie, es kann auch Konzept genannt werden, des Pächters dazu, dass das Verhältnis zwischen den Vertragspartnern immer schlechter wurde, dieses ging sogar soweit, dass gegen den Verein gearbeitet wurde. Mit Toleranz gegenüber den Gästen der Kneipe hat das allerdings relativ wenig zu tun, eher mit Toleranz des Vereins gegenüber den Verhaltensweisen des Pächters, welcher seine Verantwortlichkeit an der Kneipentür für beendet erklärte. So ist es in der Vergangenheit nicht selten vorgekommen, dass Mitarbeiter des Vereins die Hinterlassenschaften der vorherigen Kneipennacht beseitigen mussten. Der Pächter darauf angesprochen, schob die Verantwortung auf seine Mitarbeiter, wobei er nicht einmal ein Wort des Dankes, für die Erledigung seiner Aufgaben, übrig hatte.
Nun hat der Pächter seine Forderungen dem Verein gegenüber aufgemacht und die Summe welche er begehrt ist nicht gerade niedrig, die Begründung aber dafür umso obskurer. Um dieser Begründung Nachdruck zu verleihen, hat er dem Forderungsschreiben buchhalterische Unterlagen seines Geschäftsbetriebes beigefügt. Die vorgelegten Zahlen für 2010 und 2011 sind alles andere als Berauschend, zwar war sein Gewinn durchaus respektabel, allein die Umsätze sind alles andere als außergewöhnlich für eine Kneipe. Dass der ausgewiesene Gewinn vor Steuern trotzdem nicht schlecht ist, liegt weniger im Umsatz begründet, sondern in der Kostenstruktur mit welcher er arbeiten konnte.   

Sonntag, 5. Mai 2013

Haltet den Dieb, er hat mein Messer im Rücken! Diesem ...

Haltet den Dieb, er hat mein Messer im Rücken! Diesem Kredo folgt zumindest die heutige Überschrift „Todesurteil für Bar 2.0“ in der MZ, zu einem Beitrag zur Kündigung des Pachtvertrages des Kneipers im Kulturzentrum Reichenstraße in Quedlinburg durch den Dachverein. Der Kneiper hatte, nachdem ihm der Pachtvertrag gekündigt wurde, auf Facebook eine Kampagne gegen das Kulturzentrum, den Trägerverein, dessen Ratsversammlung, dem Vorstand und dem Geschäftsführer gestartet. 
Lange wurden die Weiten des Internets, in ihrer beschränkten und manipulierbaren Facebookform nicht verlassen, doch nun haben sich Pächter und Unterstützer entschieden eine breitere Öffentlichkeit mit den Vorgängen um die Kündigung eines Geschäftsvertrages zu beglücken. Das sich in diesem Zusammenhang auch einige wenige Politiker für die Interessen des Gekündigten vereinnahmen lassen, steht außer Frage, soll hier aber nicht weiter hinterfragt werden. Zum Vorgang selbst gäbe es einiges zu schreiben, was allerdings in die Irre führt, wenn die Verhältnismäßigkeit von Verein und Kneipe nicht berücksichtigt wird.  
In diesem Zusammenhang sollte berücksichtigt werden, auf welchem Fundament der gastronomische „Erfolg“ des gekündigten Betreibers der Gaststätte im Kulturzentrum beruht. So wurde durch dem Pächter ein Kundenstamm übernommen, wobei in Folge des Betreiberwechsels Gäste aus verschiedenen Gründen fern blieben und neue hinzugewonnen wurden. Was allerdings in solchen Fällen nicht ungewöhnlich ist.
Bei Neuabschluss des Pachtvertrages wurde die Pacht um 50,-€ im Monat erhöht und belief sich seitdem auf 550,-€. Diese Pacht enthält nicht nur die Raummiete, sondern auch die Kosten für Gas, Wasser, Strom, Heizung, übernommene Einrichtung usw. usf. Denn alles was die Einrichtung einer Kneipe teuer werden lässt, (Kücheneinrichtung, Tische, Stühle, Tresentechnik, aber auch Geschirr, Gläser, usw. waren vorhanden und wurden in Nutzung übernommen. Letztlich hat der gekündigte Betreiber die Kneipe „nur“ renoviert und damit ein anderes Aussehen, seinen Vorstellungen entsprechend, gegeben.
Und einmal davon abgesehen, dass Gegenstände sowie Technik sich verbrauchen, repariert oder ersetzt werden müssen, waren seinerseits keine weiteren Investitionen nötig. Was die Einrichtung und Übernahme einer Gaststätte kosten kann, wird er wohl erst nach der Kündigung, auf der Suche nach einer Alternative, erfahren haben, woraus sich wiederum seine unrealistischen Forderungen ergeben, von welchen die Vertreter des Vereins allerdings aus der Presse erfuhren.
Nebenbei bemerkt, deckt die Pacht nicht einmal die Kosten für Energie, Gas, Wasser und anderer beständig anfallenden Aufwendungen. Wenn zu Veranstaltungen im Haus auf die Getränke des Kneipers zurückgegriffen wurde, so wurden diese für ihn von Mitarbeitern und Ehrenamtlichen des Hauses verkauft. Sein Aufwand beschränkte sich darauf die erforderlichen Getränke zu bestellen und bereit zu stellen. Nach Abrechnung erhielt der Verein einen Anteil, welcher zur Finanzierung kultureller Veranstaltungen genutzt wurde.
Eigentlich ideale Voraussetzungen für das Betreiben einer Kneipe, vom Trägerverein nicht nur subventioniert, sondern auch befördert, war der gekündigte Kneiper nicht bereit im Interesse des Vereins zu kooperieren und verletzte zudem wiederholt die Hausordnung. Diese Verletzungen waren vielschichtiger Natur und basierten in erster Linie darauf, dass der gekündigte Pächter der Ansicht war, dass sein Verantwortungsbereich an der Kneipentür endete. So wurde z. B. gegen das allgemeine Rauchverbot verstoßen, nach Kneipennächten oft nicht saubergemacht, so das auf der Straße, im Foyer, sowie im Hof und Treppenturm sich nicht nur Zigarettenkippen und Scherben von Bierflaschen fanden, sondern auch anderes, was so liegen und fallen gelassen werden kann, wenn es nicht mehr benötigt wird. Diese Hinterlassenschaften wurden dann meistens von Mitarbeitern des Hauses beseitigt.
Weiter war zu beobachten, dass im Laufe der Zeit die Kneipe immer weniger von Besuchern der Veranstaltungen im Haus wahrgenommen wurde. So ließen Besucher von Veranstaltungen im Kulturzentrum immer seltener den Abend nach einer Veranstaltung in der Kneipe ausklingen. Das Publikum der Kneipe wandelte sich und von 19:00 bis 22/23:00 Uhr waren oft nur einige wenige Stammgäste anzutreffen. Ich hatte Gelegenheit dieses über einen längeren Zeitraum zu verfolgen. Kulturelle Veranstaltungen fanden in der Kneipe immer seltener statt, es sei denn, Veranstalter war das Kulturzentrum im Rahmen des Schülercafes am Nachmittag. Das Interesse des Kneipers lag letztlich nur noch im Bierverkauf, was das Entgegenkommen von Seitens des Dachvereines nicht mehr rechtfertigte. Die auf Facebook vom Kneiper losgetretene Kampagne, welche der Öffentlichkeit nur unter bestimmten Voraussetzungen zugänglich ist, zeugt somit in erster Linie von der tiefen Zerrüttetheit des Verhältnis von Verein und Pächter, was die Kündigung im Nachhinein noch unter einen etwas anderem Blickwinkeln rechtfertigt. Auch in diesem Fall vermeint der Pächter alles unternehmen zu müssen, um seine wirtschaftlichen Interessen (und um etwas anderes geht es hierbei nicht) auf Kosten des Verseins durchzusetzen, ohne die objektiven Befindlichkeiten zu berücksichtigen. Wie in vielen Fällen vordem, suchte er, trotz verbaler Verkündigung, nicht das Gespräch mit dem Vorstand, sondern hielt seine konfrontierende Position bei. Wenn es in der Vergangenheit Gespräche gegeben hat, so ging die Initiative vom Geschäftsführer, dem Vorstand und/oder Vorstandsmitgliedern aus.
Da Geschäftsführer und Vorstand bedauerlicher Weise vom Instrument der schriftlichen Abmahnung gegenüber dem Pächter keinen Gebrauch gemacht haben, wurde sich im Januar für eine vertragsgerechte und fristgemäße Kündigung entschieden, welche letztlich auch nicht gesondert begründet werden muss.